Die heilige Dreifaltigkeit der Tapas-Bars

Ich liebe Oliven. Aber das war nicht immer so. Ich erinnere mich wie ich als Kind bei einem Buffet diese salzig-sauren Dinger probiert habe und wirklich geschmeckt haben sie mir nicht. Was mich aber noch mehr dazu anstachelte sie immer wieder zu probieren – das kann doch nicht sein, dass mir das nicht schmeckt! Zur Verteidigung der Olive muss ich dazusagen: das waren diese fiesen Dinger aus den 80ern – grüne ohne Kern, die mit diesem Paprika-Schwabbel gefüllt waren. Sowas esse ich heute auch nicht mehr….
Meine wahre Oliven-Leidenschaft nahm ihren Anfang an der Feinkost-Theke von Halil, wo ich einen Nebenjob hatte. Oliven in allen Farben, mit allen Füllungen und allerlei Kräutern versetzt – ein Traum. Dazu noch viele Aufstriche, Schafs- und Ziegenkäse, Antipasti und ein fabelhaftes selbstgebackenes Brot, das ich so noch nicht wieder gegessen habe. Denn den Laden gibt es leider nicht mehr.
Zum Glück gibt es aber Halil noch (der heute aber leider keinen Oliven- sondern einen Schreibwarenladen führt), denn nicht nur die Oliven, sondern auch seine Gesellschaft waren und sind eine wahre Bereicherung für mich! Heute noch (über 10 Jahre später) habe ich den Geschmack von einigen seiner Spezialitäten auf der Zunge (die ich natürlich jeden Tag probieren musste – man muss ja wissen was man seinen Kunden verkauft!) und suche, suche, suche noch nach geeignetem Genuss-Ersatz, der sich aber partout nicht finden lässt! Keiner ist so gut wie Halil!

Soviel zur Olive an sich und meiner Liebe zu ihr.
Heute esse ich Oliven zum Beispiel gerne beim Spanier. Zu leckeren Tapas oder als Appetitanreger vor den Vor- und Hauptspeisen.
Manchmal bekommt man sie ungefragt gebracht, manchmal muss man sie bestellen. Mal sind sie pur, mal eingelegt. Mit Kern oder ohne. Grün, schwarz, violett, oder gemischt.
Machmal sind sie auch eiskalt, zu sauer, salzig oder mit getrockneten Kräutern verunstaltet. Oder geschmacksneutral. Einmal üppig und mal in homöopathischen Mengen gereicht.
Für mich sind sie ein klarer Anzeiger dafür, ob dem Koch oder Geschäftsführer etwas an der Qualität der Speisen liegt, denn es macht weder mehr Arbeit noch kostet es mehr, diesem Detail ein bisschen mehr Aufmerksamkeit zu schenken, noch hängt es von der Fähigkeit des Kochs ab.
Ähnlich verhält es sich nach meiner Meinung mit Brot. Beim Italiener komme ich schon vor dem Essen bei gutem Brot und Butter oder Olivenöl ins Schwärmen. Und was dem Italiener die Butter, ist dem Spanier die Aioli. Es kam schon vor, dass mein Begleiter und ich nach einer Trilogie des Grauens von pappiger Mayo mit Kräutern, Aldi-Aufback-Brötchen und eiskalten Oliven das Weite gesucht haben.

Letztes Wochenende war ich in Hamburg in einer Tapas-Bar, die uns das Grauen gelehrt hat. Ich nenne hier gerne den Namen damit wenigstens ihr diesen Fehler nicht macht: Vagueira, Lange Reihe 51, St.Georg. Auch zu finden bei Qype.
HÄTTEN wir da mal besser vorher die Dreifaltigkeit getestet!
Alle Tapas kamen aus der Mikrowelle und wurden warscheinlich schon am Vortag frittiert. Oliven hatte ich keine bestellt, aber das Brot war seltsam farblos, konsistenzlos und geschmacklos. Vielleicht war es Analog-Brot? ;-) Und die Aioli hatte eine komische Farbe (etwas dunkel und definitiv eben nicht ECHTE Aioli), hat aber zumindest etwas nach Aioli geschmeckt. Dazu kam, dass der Service schrecklich war, aber wer mehr wissen will liest bitte meinen Qype-Eintrag.

Nun zu meinem Projekt:
Ich möchte alle Tapas-Bars in Frankfurt auf die Qualität ihrer „Dreifaltigkeit“ testen. Das heisst ich bestelle zunächst nur einen Wein oder ein Bier und dazu Oliven, Aioli und Brot. Je nach Hunger vielleicht noch ein Tapa, aber kein komplettes Essen, so dass ich bei Nichtgefallen danach das Weite suchen kann….
Das Ganze soll natürlich dokumentiert und bewertet werden, dazu werde ich Punkte verteilen, bzw. Oliven von 1 bis 5.

Wer also Lust hat mich dabei zu begleiten darf sich gerne bei mir melden. Bei gutem Wetter könnte man im überschaubaren Fankfurt sogar eine kleine Bar-Tour mit dem Fahrrad machen und mehrere auf einen Schlag durchtesten!
Auf die Oliven, fertig, los!

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Eine Antwort to “Die heilige Dreifaltigkeit der Tapas-Bars”

  1. Sophie Says:

    Endlich mal jemand, der nicht nur lobhudelt, sondern sich auch beschwert. Die Idee ist super! Schade, dass ich nicht in Frankfurt wohne, ich wäre dabei.
    Auch ich könnte von so manchen verkorksten Restaurantbesuchen erzählen. Auf der schwarzen Liste derzeit: Das Pilot, die Theaterkneipe in Leipzig.
    Und danke für den Tip mit der Tapas-Bar … ich ziehe nämlich nach Hamburg. ;-)

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